[zurück] Ärzte Zeitung, 8.6.1999

Offenbar wirkt das intakte Gen wie ein Tumorsuppressor-Gen

So trägt BRCA1 zum Entstehen von Brustkrebs bei

Bethesda (ple). Forschern der Nationalen Gesundheitsinstitute in den USA ist es gelungen, ein Tiermodell für Brustkrebs zu schaffen und weiter aufzuklären, wie ein mutiertes BRCA1-Gen an der Entstehung von Karzinomen der Brust und des Eierstockkrebses beteiligt ist.

Offenbar wirkt das intakte Gen wie ein Tumorsuppressor-Gen. Ist es verändert, dann tritt es in ein Wechselspiel mit dem schon länger bekannten Tumorsuppressor-Gen p53, das daraufhin seine schützende Funktion nicht mehr wahrnehmen kann.

Den Maus-Experimenten zufolge, an denen der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Dr. Kay-Uwe Wagner in Bethesda im US-Staat Maryland beteiligt gewesen ist, reicht eine Mutation zur Krebsentstehung zunächst nicht aus. Denn ist das Gen in Epithelzellen der Brustdrüse verkrüppelt, dann kommt es erst einmal verstärkt zur Apoptose, die Brustdrüsengänge entwickeln sich nicht richtig. Erst nach einer langen Latenzzeit entsteht ein Tumor, wie die Forscher in "Nature Genetics" (22, 1999, 37) berichten.

Dies ist ein Hinweis gewesen, daß das mutierte BRCA1-Gen nicht direkt Krebs auslöst. Tatsächlich entdeckten die Wissenschaftler, daß das inaktivierte Gen BRCA1 die Mutationsrate anderer Gene, auch von Tumorsuppressor-Genen und von Onkogenen, erhöht. Normalerweise sorgt p53 - bekannt auch als Wächter des Genoms - dafür, daß Tumoren nicht entstehen können, indem es veränderte Zellen in die Apoptose, den programmierten Zelltod, treibt. Fällt es selbst jedoch durch Mutationen aus, kommt es sehr rasch zu Hyperplasie und Krebs. Daß die Experimente mit mutierten oder fehlenden BRCA1-Genen überhaupt möglich geworden sind, ist einer gentechnischen Methode zu verdanken, die Wagner bereits vor zwei Jahren entwickelt hat (Nucleic Acids Research 25, 1997, 4323). Mit der Methode ist es gelungen, Mäuse zu erzeugen, denen ausschließlich im Brustdrüsengewebe das BRCA1-Gen fehlt. Denn Mäuse, denen das Gen in allen Zellen fehlt, sterben bereits als Embryonen und sind für derartige Experimente wertlos.

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