Den Maus-Experimenten zufolge, an denen der von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft geförderte Dr. Kay-Uwe Wagner in Bethesda im US-Staat
Maryland beteiligt gewesen ist, reicht eine Mutation zur Krebsentstehung
zunächst nicht aus. Denn ist das Gen in Epithelzellen der Brustdrüse
verkrüppelt, dann kommt es erst einmal verstärkt zur Apoptose, die
Brustdrüsengänge entwickeln sich nicht richtig. Erst nach einer langen
Latenzzeit entsteht ein Tumor, wie die Forscher in "Nature Genetics" (22, 1999,
37) berichten.
Dies ist ein Hinweis gewesen, daß das mutierte BRCA1-Gen nicht direkt Krebs
auslöst. Tatsächlich entdeckten die Wissenschaftler, daß das inaktivierte Gen
BRCA1 die Mutationsrate anderer Gene, auch von Tumorsuppressor-Genen und von
Onkogenen, erhöht. Normalerweise sorgt p53 - bekannt auch als Wächter des Genoms
- dafür, daß Tumoren nicht entstehen können, indem es veränderte Zellen in die
Apoptose, den programmierten Zelltod, treibt. Fällt es selbst jedoch durch
Mutationen aus, kommt es sehr rasch zu Hyperplasie und Krebs. Daß die
Experimente mit mutierten oder fehlenden BRCA1-Genen überhaupt möglich geworden
sind, ist einer gentechnischen Methode zu verdanken, die Wagner bereits vor zwei
Jahren entwickelt hat (Nucleic Acids Research 25, 1997, 4323). Mit der Methode
ist es gelungen, Mäuse zu erzeugen, denen ausschließlich im Brustdrüsengewebe
das BRCA1-Gen fehlt. Denn Mäuse, denen das Gen in allen Zellen fehlt, sterben
bereits als Embryonen und sind für derartige Experimente wertlos.
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